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Einstimmiges Votum für die Bewerbung zur Landesgartenschau 2027

11.10.2021 | - Kreistag, Stadtrat, VG-Rat und Gemeinderäte tagten gemeinsam

Zu einer gemeinsamen Sitzung trafen sich der Kreistag des Eifelkreises Bitburg-Prüm, der Stadtrat Bitburg, der Verbandsgemeinderat Bitburger Land und die beiden Gemeinderäte Röhl und Scharfbillig am 4. Oktober 2021 in der Bitburger Stadthalle. Einziges Thema dieser außergewöhnliche Zusammenkunft war die Bewerbung des Zweckverbandes Flugplatz für die Landesgartenschau 2027 auf dem ehemaligen Housing-Gelände. Nach der Vorstellung des Projekts samt Finanzierungsplan stimmten alle (!) anwesenden Gremien einstimmig sowohl dem vorgestellten städtebaulichen Entwicklungskonzept als auch dem Bewerbungskonzept für die Landesgartenschau 2027 zu und erklärt sich mit den Eckpunkten des Durchführungs- und Investitionshaushalts einverstanden. Außerdem waren alle dafür, dass der Zweckverband Flugplatz Bitburg auf dieser Grundlage die gemeinsame Bewerbung bei der Projektgesellschaft Landesgartenschau einreicht.

Und schließlich fand auch der Entwurf für den „Letter of Intent“ (Absichtserklärung) zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und dem Zweckverband Flugplatz Bitburg die volle Zustimmung.

Für den Fall, dass der Zuschlag für die Landesgartenschau nicht erteilt werden sollte, werden die Gremien über das städtebauliche Konzept neu entscheiden.

Einen Tag vor der Sitzung kam aus Mainz vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau die Nachricht, dass der Ministerrat beschlossen hat, die Landesgartenschau 2026 erst im Jahr 2027 stattfinden zu lassen. Das beeinflusste die Planungen vor Ort jedoch nicht wesentlich, es hat lediglich Einfluss auf die Kalkulation des Durchführungshaushaltes. Ansonsten aber bleibt das Fristende für die Abgabe der Bewerbung beim 15. Oktober 2021.

Bereits 2015 hatte sich die Stadt Bitburg in Partnerschaft mit dem Eifelkreis Bitburg-Prüm für die Landesgartenschau 2022 beworben. Die Bewerbung um die Landesgartenschau 2027 wird seither als Chance für eine nachhaltige Entwicklung des ehemaligen Housing-Geländes der US-Streitkräfte in Bitburg verstanden.

Nach Durchführung eines Vergabeverfahrens wurde das Büro Planstatt Senner aus Überlingen mit der Erstellung eines Konzeptes für die Gartenschau und der Erarbeitung der Bewerbungsunterlagen beauftragt. Bei der Konzepterstellung konnte dabei auf die Ergebnisse der vom Büro FIRU, Kaiserlautern, im Auftrag der Stadt Bitburg und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) erstellten Machbarkeitsstudie zurückgegriffen werden. Die Bewerbung beinhaltet neben einer Bestandsanalyse und der Leitidee, ein Maßnahmenpaket für das umfangreiche Fördergelder beantragt werden können.

Städtebauliches Konzept

Das Konzept sieht einen vielseitigen Mix an Nutzungen und Gebäudetypologien mit großzügigen und qualitätsvollen Freiraumstrukturen vor. Im Herzen des Areals sollen der Kindergarten und die Elementary School aus dem Gebäudebestand erhalten bleiben, in dieser Funktion wieder in Wert gesetzt werden und zukünftig das sozio-kulturelle Zentrum des Quartiers mit kulturellen Einrichtungen, Café und Bürgerhaus als Treffpunkt bilden. Auch die Highschool, in der bis vor Kurzem das Landes-Impfzentrum angesiedelt ist, bleibt erhalten. Mit einem Forschungszentrum für Bioökonomie in diesem Bereich, am Übergang zur Agrarlandschaft, soll der Leitbildansatz „Green Tech“ verankert werden. Um diese Keimzelle können sich dann auch noch weitere innovative agrarische Nutzungen ansiedeln und neue Wertschöpfungsketten bilden. Ansonsten wechseln sich Wohn- und Mischnutzung ab. Wo möglich, sollen Häuserzeilen erhalten bleiben und saniert oder auch transformiert und mit Neubauten in Geschossbauweise neuinterpretiert werden, sodass individuelle Mikroquartiere entstehen.

Entlang der Mötscher Straße ist eine Mischung aus Handel, Gewerbe und Wohnen angedacht. Im Inneren des Gebietes gibt es bunte Wohngruppen mit Einfamilienhaustypologien in Form von Einzel-, Reihen-, Ketten- und Gartenhofhäusern. Handwerker- und Manufakturhöfe, die auch eine thematische Zielsetzung erhalten können wie z.B. ein Klimaschutzhof, bieten Synergieeffekte zwischen Dienstleistern und Handwerkern am Übergang zur gewerblichen Nutzung im Süden.

Das Freiraumkonzept

Tragende Elemente des Freiraumkonzeptes sind:

• Bürgerpark mit See (gleichzeitig auch zentraler Baustein des Regenwassermanagements)

• Klimaboulevard

• Grüner Ring / Bewegungsband

• Urban Farming-Flächen (Agrarkultur)

• Grüne Finger (grüne Verbindung von der Bitburger Straße bis zum Seepark)

Es entsteht ein lebendiges, durchmischtes Quartier, das sich in die freie Landschaft öffnet und die Kulturlandschaft von außen in das Gebiet hineinzieht. Die diagonale Wasserachse, die auch eine zentrale Funktion für die Bewirtschaftung des Regenwassers hat, nimmt die Topografie auf und gliedert das Gebiet vom vorhandenen Wasserturm im Nordosten bis zum Betriebsgebäude der Bitburger Brauerei im Südwesten. Um die Seenlandschaft im Herzen entsteht ein Bürgerpark für Bitburg und die Region.

Beim zentral gelegenen Kindergarten und Bürgerhaus gibt es eine urbane Uferpromenade mit Fontänenfeld und Wasserspielplatz. Von der Terrasse des Cafés hat man einen Blick über den See und für die Sportlichen gibt es Beach-Volleyballfelder. Eine Freilichtbühne befindet sich in einem Amphitheater. Es gibt aber auch Ruhebereiche und formale Pflanzbeete zum Spazieren und Entspannen. Im Bereich der oberliegenden Seen, die den Hauptsee speisen und die Funktion eines Speichersees besitzen, hat der Park Feuchtbiotopcharakter. Es wächst Schilf und über Bohlenwege können die Seen überquert werden.

Der Klimaboulevard ist der innere Ring des Gebietes mit Aufenthalts- und Bewegungsqualität. Im äußeren Ring gibt es bereits größere zusammenhängende, ökologisch wertvolle Gehölz- und Freiflächenstrukturen, die erhalten bleiben sollen. Diese werden zu einem ökologischen Aktivband weiterentwickelt, das große Teile des Geländes umfasst und den Eingang im Nordwesten mit den Sportflächen im Nordosten verbindet. Die Urban Farming Flächen im Nordwesten werden vielfältig bewirtschaftet. Es werden Lebensmittel angebaut, die von den Bewohnern des Quartiers und aus dem gesamten Stadtgebiet direkt verwertet oder in der regionalen Markthalle im Süden zum Verkauf angeboten werden. Jeder interessierte und engagierte Bewohner des Quartiers und der Stadt darf sich aktiv am Anbau, der Pflege und der Ernte der (Feld-)Früchte beteiligen. Es gibt aber auch Kleingärten und Gemeinschaftsgärten für den individuellen Gemüseanbau.

Erschließungskonzept

Das Erschließungskonzept sieht ein verkehrsreduziertes Quartier vor, wobei die zukünftigen Bewohner nicht auf ihr Auto verzichten müssen, aber auch nicht direkt vor der Haustüre parken können. An den vier Eingängen zum Quartier befinden sich intermodale Mobilitätszentralen mit Pkw- und Fahrrad-Abstellflächen, E-Ladestationen, Ausleihmöglichkeiten für E-Scooter und Fahrräder/E-Bikes, Carsharing-Angeboten, eine Bike-Repair-Station sowie eine zentrale Packstation, die als Anlaufpunkt für alle Paketzulieferer fungiert. Die vier Mobilitätszentralen sind räumlich so verteilt, dass die Entfernung zu den einzelnen Wohnhäusern maximal 250 m beträgt, was einem Laufweg von gerade mal drei Minuten entspricht. Sämtliche Mobilitätshubs sind mit PV-Anlagen ausgestattet, die den Strom für die E-Ladeinfrastruktur liefern.

Die innere Erschließung erfolgt zudem über ein autonomes Fahrzeug, das in einem regelmäßigen Taktverkehr die vorgegebenen Haltestationen anfährt oder on Demand (Anforderungsknopf an den Haltestationen/per Mobilitäts-App) die Bewohner innerhalb des inneren Rings verteilt. Auf der bisherigen Haupterschließungsstraße bewegen sich somit nur noch das zirkulierende Ringmobil, Bedarfsverkehre wie Rettungsfahrzeuge, Feuerwehr, eingeschränkter Lieferservice und Drop-Off-Verkehr. Es gibt viel Platz für Fußgänger, Radfahrer, Skater, spielende Kinder etc. Lediglich die Handwerkerhöfe im Süden bedürfen einer eigenen, zusätzlichen Erschließung.

Die Anbindung des Areals an die Innenstadt, die umliegenden Stadtteile und die größeren Gewerbegebiete erfolgt über den Ausbau von sicheren Rad- und Fußwegen sowie das bestehende und zukünftige ÖPNV-Angebot. Der ehemalige Bahnhaltepunkt westlich der Alten Kaserne soll reaktiviert oder alternativ weiter in Richtung Innenstadt versetzt werden und somit die Kernstadt mit der östlich von Bitburg verlaufenden Eifelstrecke Trier-Köln verbinden.

Wassermanagement im Quartier /Ansatz Schwammstadt/ Regenwasserkonzept

Im Herzen des Quartiers wird nach der Devise „Kein Tropfen Wasser verlässt das Gebiet“ das anfallende Regenwasser gesammelt und verdunstet. Blickt man auf die Niederschlagsmengen und die Temperaturverläufe des Deutschen Wetterdiensts für die Stadt Bitburg, wird deutlich, dass im Jahresverlauf nach Verdunstung ein Gesamtüberschuss an Niederschlagwasser vorhanden ist. In den Sommermonaten, während längeren Regenpausen, kommt es allerdings zu einem Defizit. Diese Schwankungen gleicht das geplante Seensystem aus, sodass es ein kaskadenartiges System aus biotopartigen Speicherseen, einem attraktiven Hauptsee und einem Drosselsee für Niederschlagsspitzen gibt. Damit wird garantiert, dass die Wasserqualität im Hauptsee konstant aufrechterhalten werden kann.

Konzept Landesgartenschau

Die Gartenschaukonzeption umfasst u. a. folgende Bestandteile:

• Ausstellungskonzept / temporäre Anlagen Kerngelände

• Partner und Attraktionen in der Region, regionale und örtliche Attraktionen

• Veranstaltungskonzept

• Mobilitätskonzept - Anreise, Parkraum, Besucherlenkung

Im Sinne einer regionalen Ausrichtung und Verzahnung der Gartenschau ist es sinnvoll, auch Standorte in der Region (z. B. Stausee Bitburg, Schloss Malberg, Karolingerstadt Prüm, Teufelsschlucht mit Dinopark) in ein Gesamtkonzept mit einzubeziehen. Der große Event „Gartenschau“ sollte hier einen Beitrag dazu leisten, Highlights der touristischen Infrastruktur nachhaltig aufzuwerten und eine Plattform dafür bieten, die Stärken und Vorzüge der Region öffentlichkeitswirksam darzustellen.

Finanzierung:

Der geplante Durchführungshaushalt der Landesgartenschau 2027 in Bitburg kalkuliert mit Ausgaben in Höhe von 13,5 Millionen Euro, denen Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Parkraumbewirtschaftung und Sponsoring von insgesamt 11,75 Millionen Euro gegenüberstehen.

An investiven Ausgaben werden knapp 37 Millionen Euro kalkuliert. Aus Fördermitteln von Land, Bund und EU wird ein Betrag in Höhe von rund 24,4 Millionen Euro erwartet. Die restlichen 13,3 Millionen Euro werden aus Eigenmitteln von Zweckverband, Stadt, Verbandsgemeinde und Kreis finanziert.

Umfangreiche Informationen zur Bewerbung für die Landesgartenschau 2027 sind auf der neuen Internetseite

https://landesgartenschau-eifel.de/

bereitgestellt.



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